Ehrengäste 2015

Chris Beckett …

Chris BeckettChris Beckett
… wurde 1955 geboren und arbeitet in Cambridge als Dozent für Sozialarbeit. Er hat mehrere Lehrbücher zu diesem Thema verfasst. Seit 1990 sind knapp 40 Stories aus seiner Feder erschienen, viele davon im renommierten britischen Magazin Interzone. 27 davon wurden in den Sammlungen The Turing-Test und The Peacock Cloak zusammengefasst. Herausragend sind die beiden Geschichten „The Perimeter“ und „Picadilly Circus“. In dem zukünftigen London, dass Beckett in diesen Stories entwirft, haben die meisten Menschen ihre physischen Körper aufgegeben und sich in eine digitale Simulation einspeisen lassen. Nur wenige leben als „Physicals“ weiter und können sich die virtuelle Welt der Anderen als Projektion über das tatsächlich verlassene und verfallene London legen lassen.
In deutscher Übersetzung liegt von Chris Beckett derzeit Die Messias-Maschine vor. In einer Welt, in der auf allen Kontinenten religiöse Extremisten die Herrschaft übernommen haben, ist die auf dem Balkan neu geschaffene Stadt Illyria die letzte Zuflucht für Wissenschaft und Fortschritt. Der Held des Romans, George, verliebt sich dort in eine Roboter-Frau namens Lucy. Als sich bei ihr Anzeichen eines Bewusstseins einstellen, flüchtet er mit ihr, ehe ihre Festplatte routinemäßig gelöscht werden kann. Doch in der Außenwelt gibt es für Georges Handlungsweise noch weniger Verständnis als in Illyria. Bald geraten er und Lucy in tödliche Gefahr.
Der Roman Dark Eden basiert auf einer gleichnamigen Kurzgeschichte. Nach der Notlandung eines entführten Raumschiffs verbleiben auf einem sonnenlosen aber trotzdem belebten Planeten ein Mann und eine Frau. Sie gründen einen neuen Menschenstamm, der dank geothermischer Wärme und dem Licht aus Laternenbäumen überleben kann. Einer der Nachkommen der ursprünglichen Schiffbrüchigen ist John Redlantern. Er wirft die die furchtsame und rückwärtsgewandte Lebensweise seiner Zeitgenossen über Bord und macht sich auf, die Geheimnisse des dunklen Eden zu ergründen.
Der Dark-Eden-Zyklus wird mit Mother of Eden fortgesetzt. Bereits erschienen ist Becketts Roman Marcher, der sich unter anderem mit Menschen befasst, die durch parallele Universen reisen können.
Das DORT.con-Team ist stolz darauf, diesen Autor „entdeckt“ zu haben, dessen Karriere in Deutschland gerade erst beginnt. Wir glauben, dass diese neue aufregende Stimme in der britischen Science Fiction unserem Publikum eine Menge zu sagen hat. Der Auftritt von Chris Beckett in Dortmund wird vielen eine Chance bieten, sein Werk sehr früh kennen zu lernen. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, rund ein Jahr vom nächsten DORT.con entfernt, ist dieser Autor noch ein echter Geheimtipp.

Karsten Kruschel …

Karsten Kruschel<br />Foto: Thomas SchreiterKarsten Kruschel
Foto: Thomas Schreiter
… wurde 1959 als Sohn des Schriftstellers Heinz Kruschel in Havelberg geboren und wuchs in Magdeburg auf. Dort sammelte er auch Bühnenerfahrung als Kabarettist. Seine Lesungen profitieren heute davon, wie sein Publikum wohl weiß. 1984 schloss er sein Lehrerstudium mit einer Diplomarbeit über die Science-Fiction-Literatur in der DDR ab. Nach einer Tätigkeit als Lehrer und dem Grundwehrdienst promovierte er an der Pädagogische Hochschule „Clara Zetkin“ in Leipzig über die DDR-Science-Fiction-Literatur. Seine Doktorarbeit ist 1995 beim EDFC erschienen. Nach der Wende arbeitete er in verschiedenen Jobs ehe er sich 2010 als Redakteur und Autor selbständig machte.
Sein schriftstellerisches Debüt Raumsprünge erschien schon 1985 in der Heftreihe Das neue Abenteuer. 1989 folgte der Erzählungsband Das kleinere Weltall im Verlag Das Neue Berlin. Seine Kurzgeschichten „Herrliche Zeiten“ (1999), „Teufels Obliegenheiten“ (2012) und „Ende der Jagdsaison auf Orange“ (2010) wurden für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert; letztere 2011 ins Russische übersetzt.
2009 erschien der zweibändige Roman Vilm im Wurdack-Verlag. Das Buch wurde sowohl für den Kurd-Laßwitz-Preis als auch den Deutschen Science Fiction Preis – den es gewann – als bester Roman des Jahres nominiert. 2011 erschien der Nachfolger Galdäa – Der ungeschlagene Krieg.
In den Vilm-Romanen geht es um die Crew eines Raumschiffs, das auf dem titelgebenden Regenplaneten abgestürzt ist. Während viele Ältere unter den Schiffbrüchigen verzweifeln, gehen die Kinder eine Symbiose mit Tieren ein, die auf dem Planeten leben. Als endlich Rettung naht, wollen die meisten Schiffbrüchigen Vilm nicht mehr verlassen. Eine riesige Pflanze, die den ganzen Äquator des Planeten umspannt, wird von vielen Mächten in der bewohnten Galaxis je nach Gusto als Feind, Heilsbringer oder biologischer Supercomputer betrachtet – was zu weiteren Verwicklungen führt.
2010 beteiligte sich Kruschel an dem von Karla Schmidt herausgegebenen literarischen Experiment Hinterland, einer Anthologie im Wurdack-Verlag, für die 20 Autoren Science-Fiction-Erzählungen nach Musik von David Bowie schrieben.
2013 setzte er die erfolgreichen Vilm-Romane mit dem eigenständigen Roman Vilm – Das Dickicht fort.

Lothar Bauer

Lothar BauerLothar Bauer
*1961, lebt mit seiner Frau und zwei Hunden in einem alten Haus mit großem Garten im saarländischen Dreiländereck. Durch seine Leseleidenschaft, die schon seit Mitte der Siebziger Jahre hauptsächlich der Science Fiction, Fantasy und Phantastik gilt, stammen viele seiner Bilder aus diesen Bereichen. Waren es anfangs ausschließlich Illustrationen für das eZine Terracom oder die Dorgonserie, änderte sich dies bald schlagartig. Ab 2006 wurden seine Kontakte zur deutschen SF- und phantastischen Szene intensiver, bedingt auch durch die Übernahme der Chefredaktion von Terracom. Über das SF-Netzwerk kamen der Kontakt mit Michael Haitel, ein Coverauftrag für die Andromeda Nachrichten und die Mitgliedschaft beim SFCD zustande. Dies führte zu Aufträgen für Cover und Innenillustrationen für verschiedene eZines, Magazine und Kleinverleger, so z. B. für Exodus, Quarber Merkur, Zwielicht, XUN und die Verlage Begedia, Atlantis und p.machinery. Nominierungen seiner Grafiken gab es für den Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie „Beste Science-Fiction-Grafik“ 2012 mit dem Ergebnis 3. Platz und 2013 mit dem 4. Platz im Endergebnis.
Lothar Bauer ist Autodidakt und sagt von sich, dass er beim Erstellen seiner Bilder einem inneren Zwang unterworfen ist. Im Gegensatz zu vielen Grafikern und Illustratoren ist er von der Malerei nicht dauerhaft oder ausschließlich zum Digitalen gewechselt. Er geht jetzt eher den umgekehrten Weg von der Digitalen Kunst zurück zur Malerei und dem Zeichnen. Seine Arbeitsweise ist meist sehr unkonventionell. Das Konzept existiert meistens nur in seinem Kopf. Skizzen für digitale Bilder gibt es sehr selten, meist nur stichwortartige Gedanken.
Als „typischer“ Saarländer, der der Vergangenheit seiner Region sehr verbunden ist, wird er in nächster Zeit auf Saargau-Arts.de, dort auch unter dem Level Industrial Arts Saar, seiner Heimat und der dort prägenden Industrie ein Teil seiner Kunst widmen.
Die Symbiose zwischen dem Vergangenen und dem Neuen, den Industriemonumenten und der sie umgebenden Natur sind für ihn eine neue Herausforderung.
Seine Kunst findet man u.a. unter http://www.sternenportal.org